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Good Enough For You
Wer hat von meiner Installation gegessen? 22. Jahrhunderfuchs / Disko B
Schublade: Alternativ / Elektro
Wertung: genial

Anarcho-Elektro aus Österreich
Good Enough For You lassen sich gehen

Die Lösung kommt mal wieder aus Österreich. Unser Nachbarland scheint die goldene Nase ja gepachtet zu haben, wenn es um nachhaltige Innovationen im Regal für Headz, Elektro und DJ-Krempel geht. Aber keine Angst, die Zeiten des klassisch Kruder-Dorfmeisterschen Wiener Me-Lounge scheinen überstanden. Das Debüt von Good Enough For You bietet ganz grundlegend zunächst einmal gute 24 Minuten geballten dissonanten Krach. Folgerichtig gestaltet sich das 40-Sekunden-Intro: Ein Mann sagt „Los!“, es ertönt ein eigenartiges sich wiederholendes Plätschern und Blubbern, begleitet von einer Art Trommel, eine Frau sagt dazu dreimal wie durch ein Telefon: „Good Enough For You“, der Mann vom Anfang fordert: „Nommol“, die Frau wiederholt: „Good Enough For You“, das ganze Spiel wiederholt sich noch einmal, dann ein elektronisches Fiepen und eine alte Dame resümiert in plötzlicher Stille und breitem österreichischem Akzent: „Hehehe, dos hascht aufgnomme? Der Bleedsinn? Hehehe, so Bleedsinn muss ma nit aufnemme.“ Selbsterklärter Trash. Und das bleibt kein leeres Versprechen. Die folgenden sieben Titel, von denen zwei bereits im April als die Vorabsingle und ihre B-Seite veröffentlicht wurden, geben sich allesamt redlich Mühe mit sämtlichen Hörkonventionen, den gewohnten Vorstellungen vom Schönen und Guten zu brechen. Dass das mitunter weh tut... Nun ja, das ist ja irgendwie die Idee dahinter. Trotzdem - um es mit Agent Paul Smecker zu sagen: „Da ist ganz klar ein Muster zu erkennen!“ Denn obwohl Good Enough For You den Hörer im ersten Moment mit einer Mischung aus blödelndem Nonsens und destruktivem Krach verschrecken, ist das Ganze nicht nur konzeptuell wohl durchdacht. Mal ganz abgesehen von den liebevoll und innovativ arrangierten Beats sorgen vor allem auch die gelegentlich am Rande eingestreuten Gesangsmelodien dafür, dass man Songstrukturen zu entdecken vermag. Und selbst das, was einem dann den chaotischen Gesamteindruck von „Wer hat von meiner Installation gegessen?“ - Find ich übrigens grandios den Albumtitel. - vermittelt, sind wohlfeil gesetzte Akzente wie etwa das immer wieder auftauchende und bis zur Raserei gequälte Saxophon. Das Good Enough For You dann mitunter sogar fast tanzbar klingen („Beam Me Onto You“ oder „Backseat Of My Car“) oder auch durchaus nach Rock („Sitting On The Dog Of My Babe“), mag sich zwar jetzt überraschend ausnehmen, spricht aber wiederum nur dafür, dass es ihnen wirklich gelungen ist eine ‚schöne‘ Scheibe Musik zu verfertigen. Insgesamt eine teilweise recht düstere Portion Elektronik die irgendwie höllisch nach Punk schmeckt und einem als Hörer so einiges abverlangt, aber gerade dadurch, dass sie so weitab von antrainierten Hörgewohnheiten agiert, zu etwas Besonderem wird. Dass man „Wer hat von meiner Installation gegessen?“ nicht unbedingt zum Einschlafen hören kann, versteht sich dabei von selbst.
Text: Björn Bühner