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SATAN & SOUNDCHECK
Musikarbeiter unterwegs – mit Good Enough For You ins Fluc

Im Fluc stellte das Duo Good Enough For You seine Debüt-CD vor. Günstige Gelegenheit für einen Musik- und Lokalaugenschein.
Segnung der Telekommunikation! Noch hab ich Fotogenosse Lang im Ohr, da kommt er mir schon, die Treppen zur Fluc-Wanne herauf, entgegen. So profitiert ein Mobilfunkanbieter von einer schlamperten Ausmacherei. Unser gemeinsames Ziel: dezidiert das Fluc, überirdisch gelegen, wo einige Stunden später das Präsentationskonzert von „Wer hat von meiner Installation gegessen?“, dem launig betitelten ersten Album von Karin Brülls und Raumschiff Engelmayrs herrlichem gemeinsamen geistigen Musikbalg, Good Enough For You, über die Bühne gehen würde.
Übrigens eine Bühne mit Ausblick: Das werte Publikum kann dahinter durch die hoch gelegenen Fenster Lokalkolorit und eine optische Ahnung des Bahnhofs Praterstern samt Luftraum erheischen, die Performer performen nicht nur für das werte Publikum, sondern können sich auch dem Eindruck hingeben, das für eines der Wiener Wahrzeichen, das Riesenrad, zu tun.
Wir erwischen Good Enough For You, Karin und Fredl, beim Soundcheck, jener wildromantischen Tätigkeit, bei der Musiker oft lange vor dem eigentlichen Konzert eben den Sound checken, das heißt das ganze musikalische Werkl über die vorhandene P.A. (das heißt übrigens Public Animation, der gute Zwilling des abgrundtief bösen P.R., was ja Public Relation(s) heißt – Ersteres lässt uns Dinge hören, Letzteres verstopft Ohren und Wahrnehmung) zum Klingen bringen, im Idealfall zum Gut-Klingen. Das musikalische Werkl umfasst im Falle Good Enough For You Einiges, zum Glück aber kein Schlagzeug: Wenn ich für jede Inbetriebnahme der Fußmaschine Richtung Basstrommel und jeden Snareschlag, die ich im Laufe meines Musikarbeiterlebens bei Soundchecks mitgehört habe, einen Euro überwiesen kriege, wäre die Öffi-Freifahrt in Wien kein Thema mehr.
Karin spielt Klarinette, mit eine Keimzelle des Duos. Fredl: „Ich hab’ g’funden, die Karin spielt so super Klarinette.“ Sie singt auch, sehr schön übers Mikro und zweimal mit Effekten, die sie dem kooperativen und fähigen Fluc-Techniker eindrucksvoll demonstriert. Großartig ein weiteres von Karin Brüll bedientes Instrument: Die Axt. Fredl hat das Rocktrotteltum beim Wort genommen, das die Gitarre immer als solche bezeichnet, und ein Musikinstrument aus ihr gebaut. Mit einer Saite. Beim Fredl aka Raumschiff Engelmayr steht der Computer, von dem aus dank der modernen Technik die rhythmische Basis – der Beat – der „Good Enough For You“-Musik über Monitor- und Publikumsbeschallungsboxen kommen sollte. Sollte, weil, ein Soundcheck-Sprech-Klassiker: „Eigentlich sollt’ schon was kommen.“ Tut’s dann auch, dazu gesellt sich Fredls Gitarre und Stimme. Ein weiterer Soundcheck-Sprech-Standard: Der Frequenz-Dialog zwischen dem Mann hinterm Mischpult und den Menschen auf der Bühne. Heute ist bei 250 Hertz was gestanden, und bei 30 Hertz wurde was weggenommen. Auch fast immer Thema: das Leiserdrehen der Gitarre (Fredl, aufrichtig: „I kann’s ned leiser drahn!“). Soundcheck: ein weiterer Name für das ewige Geben und Nehmen, hier zwischen den Bedürfnissen der Ausübenden und dem Sound fürs Publikum.
Karin seufzt zwar „die Bässe weg und die Gitarre leiser, was ist das für ein Tag“, aber es klingt zunehmend gut im Fluc, während Good Enough For You Teile ihrer Stücke immer wieder anspielen. Das mit dem Gut-Klingen bestätigt ein Bauarbeiter, der mit einem Kollegen zwecks After-Work-Durstlöschung ins Lokal gefunden hat. „Spuit’s doch amoi was ganz“ ruft er, während er mitgroovt. Die Musik? „Treibender Electro-Beat, tiefer geschraubte Gitarren, fe- und –male Gesang und bei Bedarf ein Solo auf Klarinette oder Axtgitarre“, meint das Info zur CD und – hat einfach recht. So ist sie, die Musik, und so macht sie Laune, gewaltig auf Tonträger (der mit 24 Minuten einfach zu kurz ist. Mehr!), und selbst in der fragmentiereten Soundcheck-Version. Der zweite Song, den das Duo wiederholt anspielt ist „Blackseat Of My Car“ (wo Satan, der alte Schwerenöter abhängt, verspätet hat er sich auch, der Gehörnte). Davon hat Martin Gretschmann als Acid Pauli einen Remix gemacht, der bei disko b parallel zum Album auf 12“ erschienen ist.
Als Support von Gretschmanns Band Console spielten Good Enough For You vor ihrem Wunschtermin einige Gigs in Deutschland und in der Schweiz. Das Feedback gibt ihnen Recht. „Einige haben gesagt, es war das Größte, was sie je gesehen haben, eine andere Reaktion war – vor der Vorband hätte man warnen müssen.“ Natürlich ist das kein Sound für jedermann (wer soll das sein?), aber wer seine Freude mit intelligenter (nicht nur textlich (pop)sprachgewitzt: „Sitting On The Dog Of My Babe“), dabei extrem unprätentiös-unausgedachter Musik hat, die die Geradlinigkeit gerne Schlangenlinien fahren lässt, sollte an Good Enough For You nicht vorbei.
Wir würden zwar noch gerne mehr hören, aber der Sound stimmt, auf und vor der Bühne. Fredl: „Passt. I hab eh schon an Durst.“

RAINER KRISPEL (Augustin Nr. 200, 11.-24.04.2007, S. 37)